Hier tanzen die Puppen! AVENUE Q

Am 26.02.11 fand die deutschsprachige Premiere des amüsanten Theaterstückes in St. Gallen, Schweiz, statt. Mit drei Tony Awards wurde das Stück bereits ausgezeichnet, doch davon spürte man nicht viel im Theater St. Gallen. Leider! Alles schien wie ein normaler Theaterabend zu werden. Doch was erwartete einen als Besucher? Aveneue Q … mit Puppen aus der Sesamstraße und einer Altersfreigabe von 16 Jahren? Auf den ersten Blick passt dies nicht zusammen. Doch wer Avenue Q kennt, der weiß was auf ihn zukommt. Für alle anderen: Überraschung!
Sehr gespannt und mit einer Portion „hoffentlich ist die Übersetzung nicht zum davon laufen“ betrat der ein oder andere den Theatersaal.
Zunächst zur Story:
Princeton hat seinen Collage-Abschluss in der Tasche. Nun steht ihm natürlich die Welt offen inklusive Probleme. Auf Wohnungssuche landet er in der Avenue Q, die den Anschein hat ein wenig Preiswerter zu sein. Dort trifft er auf seine neuen Nachbarn. Christmas Eve und ihrem Verlobten Brian, Rod und seinen Mitbewohner Nicky, Kate Monster, Trekkie Monster und dem Hausmeister Piero Esteriore.
Kate und Princeton verlieben sich ineinander, aber Princeton hat Angst durch diese Beziehung eingeengt zu werden und somit seine Bestimmung nicht zu finden. Lieber datet er Lucy, die Schlampe.
Nicky ist davon überzeugt, dass Rod Schwul ist, doch dieser will es einfach nicht zugeben, bzw. weiß es bis jetzt auch noch nicht so richtig. An der Hochzeit von Christmas Eve und Brian bekommt Rod mit, wie Nicky hinter seinem Rücken ihn outet. Daraufhin erzählt Rod von seiner Freundin die in Kanada lebt und schmeißt Nicky aus der Wohnung.
Nicky, der nun auf der Straße lebt, bettelt Princeton an, ihm einen Dollar (oder mehr) zu geben… DIE BESTIMMUNG. Endlich weiß Princeton was er zu tun hat. Kate träumt von einer Monster-Schule und seine Bestimmung ist es Geld dafür zu sammeln. Nur leider sind es nur ein paar Dollar. Doch einer hat noch nichts gegeben. Der zurückgezogene Porno-Fan Trekkie. Als er hört wofür das Geld ist, wird er sentimental und spendet 10 Millionen Dollar, die er mit Pornos (wie ironisch) verdient hat.
Rod outet sich endlich und versöhnt sich mit Nicky, der ihm online einen Freund gesucht hat.
Was für ein Zufall, Ricky sieht aus wie Nicky und Rod ist im 7. Himmel.
„Komm endlich zum Punkt, soll man Avenue Q in St. Gallen sehen?“
Da gibt es nur eine Antwort. Auf jeden Fall!!!!! Diese Produktion ist erstklassig und muss sich nicht vor Internationalen Produktionen verstecken. Die Übersetzung ist gut/ausgezeichnet/super! Das Orchester, pardon, Die Band hervorragend und das Bühnenbild fast 1 zu 1 wie am West End, naja….fast. Aber toll!
Darsteller hätte man wohl keine besseren finden können. Jeder spielt seine Rolle 1A und ist eins mit seiner Puppe/Puppen.
Zur Cast:
Manuel Steinsdörfer spielt Princeton mit seinen jugendlichen Problemen frisch und fabelhaft, doch sein Rod ist für mich eins der Highlights. So schön verklemmt schwul seine Puppe zu spielen und vor allem zu singen/sprechen ist herrlich!
Stefanie Köhm ist eine zuckersüße Kate Monster und eine männerfressende Lucy. Für sie kein Problem beide Damen in einem Dialog abwechselnd ihre Stimme zu leihen ohne das man merkt, dass es ein und dieselbe Person ist.
Jonathan Agar verkörpert Brian mit seinem fast nicht zu hörenden britischen Akzent sehr charmant und irgendwie sexy!
Lanie Sumaliong hat die grüne Smaragdstadt von „Wicked“ verlassen um in der Avenue Q zu glänzen. Ihre Christmas Eve ist überzeugend und liebevoll. Nur fragt man sich, ist die doch teilweise schlechte Aussprache gewollt oder muss sie daran noch arbeiten? Der Sympathie, die sie erzeugt, tut es nichts. Sie gehört auf die Bühne!!!
Florian Claus versucht sich in der Rolle des Trekkie und Nicky. Versucht… was für ein böses Wort, doch leider kommt er stimmlich nicht so tief, wie man das erwartet.
Darstellerisch ein Augenschmaus. Er haucht seinen Puppen so viel Liebe ein, dass man vom nicht 100%-igen Bass ein, ach zwei, Augen zudrücken kann.
Claudia Löhr hat auf den ersten Blick eine komische Rolle. Die linke Hand von Nicky.
Aber sie darf der Chefin von Kate, Lavina Semmelmöse ihre Stimme und rechte Hand leihen. Dies tut sie sensationell. Diese Aggressivität mit der sie aus dem Fenster greift und gleichzeitig die Blumen auseinander nimmt, furchteinflößend und amüsant.
Martin Schäffner hat es nicht leicht als Piero Esteriore. Die undankbarste Rolle, so fühlte es sich an. Abgesehen von seinen hervorragenden schauspielerischen und gesanglichen Fähigkeiten wirkte sein Piero eher lästig als belustigend. Da stellt man sich die Frage, hätte man da nicht einen andere bekannte Persönlichkeit nehmen können? Oder lag es nur an mir, die diesen Ex-Casting-Kandidat nicht kennt und somit die Rolle unpassend fand?
Alles in Allem also ist Avenue Q ein gelungenes Bühnenstück, dass es mit Sicherheit wert ist nach St. Gallen zu fahren.
Vielen DANK für den Premierenbericht an Tanja Döbele und Jennifer Dieterich (für MFJ, Februar 2011)






